Special: Lok 91 6580

Der 91 6580 eine eigene Rubrik? Ja sicher, denn mit dieser unscheinbaren Maschine fing bei unserer IGE “Werrabahn Eisenach” eigentlich alles erst so richtig an und ganz bescheiden können wir sagen: Unserem Verein verdankt diese Maschine eigentlich auch ihr "2.Leben". Deshalb hier ein kurzer Abriss zur Geschichte der Lokomotive 91 6580:

Am 13. Dezember 1938 verliess die doch recht moderne ELNA-Nachfolgerin unter der Fabriknummer 23877 die Werkhallen der Henschel & Sohn GmbH in Kassel. Beschafft wurde die leistungsfähige 1Ch2 (Achsfolge 1C, 2 Zylinder, Heissdampf)-Tenderlokomotive von der Süddeutschen Eisenbahn-Gesellschaft in Darmstadt für den Betrieb ihrer Strecke Ilmenau - Gehren - Großbreitenbach. Die Lokomotive meisterte als SEG 400 am 21. Dezember 1938 ihre Abnahmeprobefahrt auf der späteren Stammstrecke anstandslos und wurde tagsdrauf zugelassen.
Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges ging die SEG-Strecke Ilmenau - Großbreitenbach an die Deutsche Reichsbahn über und die kleine Tenderlokomotive erhielt die DR-Nummer 91 6580. Weiterhin auf ihrer Stammstrecke und im Lokbahnhof Gehren beheimatet, jedoch jetzt unter der Regie des Bw Arnstadt, versah die Maschine dort bis zum 13. Juni 1954 ihren Dienst. Bis zum 11. August 1969 hieß die neue Dienststelle dann Bw Gotha, Lokbahnhof Mühlhausen. Von dort aus bediente 91 6580 vorwiegend die Strecke Mühlhausen - Schlotheim - Ebeleben. 1969 verkaufte die Deutsche Reichsbahn die Lokomotive an die Industriebahn Erfurt, wo sie bekannt zuverlässig und ohne große Ausfälle, zehn Jahre lang, ihren Dienst versah. Während dieser Zeit bleib sie von Eisenbahnfreunden weitgehend unbeachtet. Nur einmal im Jahr 1976 während einer Jubiläumssonderfahrt auf ihrer einstigen Stammstrecke Ilmenau - Großbreitenbach stand 91 6580, gemeinsam mit 92 638, im Mittelpunkt des Interesses.
Am 23. August 1979 verfügte der Kesselprüfer das AUS für den Kessel und 91 6580, wohl auch weil die Ablösung der Dampftraktion in Form von Diesellokomotiven V60D unmittelbar bevorstand. Offiziell hiess es, dass die Abzehrung von sechs Nieten an der vorderen Rohrwand so weit fortgeschritten sei, dass ein Weiterbetrieb der Maschine ausgeschlossen werden muss.
Danach begann die Odysse dieser interessanten Lok von Abstellgleis zu Abstellgleis. Es schien zunächst als würde sie den Weg des alten Eisens nehmen, bis man sich 1982 besann und die Maschine bei der Jubiläumsausstellung auf dem Traditionsbahnhof Erfurt-West der Öffentlichkeit zeigte. Danach verschwand die Lok im Schuppen des Erfurter Westbahnhofes. Zum MOROP-Kongress 1987 war dann 91 6580, auf Grund des schlechten Zustandes, bereits nicht mehr ausgestellt. Am 15. Juni 1988 übernahm unsere Arbeitsgemeinschaft “Werrabahn Eisenach” die Lokomotive vom Bezirksvorstand Erfurt des Deutschen Modelleisenbahnverbandes der DDR, der die Lok kurz zuvor von der Erfurter Industriebahn erworben hatte. Bereits am 6. August sollte die Überführung nach Eisenach stattfinden. Doch dazu kam es nicht. Die 91 6580 bockte, vermutlich auf einer defekten Weiche, entgleiste und lehnte sich nach ca. 80 Metern Fahrt auf den Schwellen, völlig unbeteiligt an einen Fahrleitungsmast beim Bw Erfurt. Diesem Mast war es zu verdanken, dass die 91 nicht komplett umfiel.
Vier Stunden harte Arbeit für Männer des Eisenacher Hilfszuges und die 6580 stand wieder auf ihrem alten Platz im Bw Erfurt. Schäden? Kaum! Hauptluftbehälter zerdrückt, Griffstange abgebrochen, Schienenräumer verbogen und ein schiefes (Papp-)Lokschild an der Rauchkammer.
Die genaue Ursache für den Betriebsunfall ist bis heute unbekannt. Jedenfalls blieb das Ereignis für Lokomotive und Personal ohne die sonst bekannten Konsequenzen. Trotzdem sollte bis zur erneuten Überführung nach Eisenach ein weiteres Jahr vergehen. Ende August 1989 erreichte 91 6580 im Schlepp des Eisenacher Hilfzuges, als C-Kuppler ihre neue Heimatdienststelle. Den Vorläufer hatte man nach der Entgleisung vorsorglich demontiert und im Kohlenkasten eingelagert. Endlich in Eisenach angekommen, stand nach positiver Bestandsaufnahme und Besichtung des Kessels einer betriebsfähigen Aufarbeitung eigentlich nur noch der chronische finanzielle Engpass entgegen. Gemeinsam mit den Eisenacher Eisenbahnern und Mitarbeitern des damaligen RAW Meinigen wurde die Lok zur Hauptuntersuchung vorgereitet. Durch das beharrliche Eintreten unseres Bw-Leiters und seiner Kollegen aus Meinigen wurde 91 6580 nun auch Thema bei der Hauptverwaltung der DR in Berlin. 1990 kam der langerwartete Bescheid: 91 6580 wird Museumslok, Standort Eisenach, Aufarbeitung RAW Meiningen, L7.
 Innerhalb fünf Wochen zauberten die Meininger Lokomotivdoktoren aus dem Schrottkandidaten eine ansehnliche Lokomotive. Anfang August 1990, zwei Jahre nach der Entgleisung rollte 91 6580, diesmal mit eigener Kraft und viel “Gebimmel” auf die Eisenacher Drehscheibe. Bereits am 18. August musste die 52-jährige bei einer Sonderfahrt, auf ihrer ehemaligen Stammstrecke Mühlhausen - Schlotheim beweisen, dass sie noch lage nicht zum alten Eisen gehört. Fortan war aus der lange nichtbeachteten Maschine eine vielbeschäftigte Museumslokomotive geworden, die es mit ihren Eisenacher Personalen sogar bis ins Fränkische Nordhalben oder oft auf die Kononenbahnstrecke Leinefelde - Geismar verschlagen hat. Beliebtester Einsatz jedoch war der von Eisenach ausgehende Gex 2603, die klassische Thüringerwaldrundfahrt. Hier konnte sich 91 6580 mit zwei Packwagen und einem Bghw am Haken so richtig austoben, galt es doch der Kamm des Thüringer Waldes und seine Ausläufer mehrfach zu überwinden.
Die meisten der damals befahren Strecken sind heute Geschichte, genau so wie es um 91 6580 wieder ruhig geworden ist.

Im Juni 1992 wurden auf Befehl von “oben” alle Museumsloks im Bw Arnstadt hist. zusammengezogen. Ein grosses Museums-Bw sollte es werden. Doch die Reformer der Bahn hatten andere Pläne. 91 6580 wurde noch einigemale mit Eisenacher Personal von Arnstadt aus eingesetzt bevor der Kontakt dann gänzlich abbrach. Nach einer Kesselfristverlängerung und einigen sporadischen Einsätzen in und um Arnstadt wurde die Tenderlokomotive dann nur noch einige Male zum Vorwärmen des - mittlerweile auch erkalteten - Öljumbos 44 0093 benutzt. Heute kümmern sich Arnstädter Hobbyeisenbahner um 91 6580 und erhalten uns die Maschine so, wie wir sie seit dem spektakulären Meiningen-Rollout im August 1990 in Erinnerung haben...

Mittlerweile hat sich das DB Museum der 91 6580 angenommen und diese mit einem Leihvertrag an das Bw Arnstadt hist. gebunden. Bemühungen unseres Vereins, die bestehenden Ansprüche an der Maschine geltend zu machen und die Lok in Arnstadt wieder in Betrieb zu setzen wurden unsererseits nicht weiter verfolgt. Der gute technische und optische Zustand der 91 6580 würden eine Wiederinbetriebnahme rechtfertigen. Lediglich die Einsatzgebiete der kleinen Lokomotive werden durch Streckenstilllegungen und -abgaben immer kleiner, so dass keine einigermaßen "wirtschaftlichen" Einsatzmöglichkeiten mehr bestehen. Eine betriebsfähige Aufarbeitung erscheint vor diesem Hintergrund nur mit sehr viel Idealismus möglich...(upf 05/2003)

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